Weihnachten in Andalusien

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum… Wer in Andalusien auf der Suche nach dem grünen, weihnachtlichen Protagonisten ist, der sucht vergebens. Doch obwohl auch im Dezember im Süden Spaniens viele Sonnenstunden und Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad auf dem Programm stehen, hält das die Menschen nicht davon ab, sich in Weihnachtsstimmung zu feiern. Die Straßen werden mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückt, die oft lebensgroßen Krippen von Betlehem bewundert und bei den ersten Maroni die vorweihnachtliche Zeit genossen. Und wie sollte es anders sein: natürlich mit viel Musik, Essen und vor allem einer großen Portion Lebensfreude.

Zambombas: Vorweihnachtszeit auf Spanisch

In Jerez feiert man die Vorweihnachtszeit auf eine ganz besondere Art und Weise: Die Menschen versammeln sich in der Familie, mit den Nachbarn oder Arbeitskollegen und -kolleginnen zu sogenannten Zambombas, bei denen gemeinsam gesungen und getanzt wird.

Die Zambomba (der Brummtopf), ein Instrument aus Ton, mit Tierhaut bespannt und einem Stab in der Mitte, gibt dieser Tradition ihren Namen. Begleitet wird die Zambomba meist von Gesang, Gitarren und dem Klang einer Anisschnapsflasche (ja, ihr habt richtig gelesen). Anisschnaps wird bei den Zambombas nämlich nicht nur gerne getrunken, sondern die unregelmäßige Oberfläche der Flasche auch als Musikinstrument genutzt. Das sieht dann in etwa so aus:

 

 

Ursprünglich hat man sich für die Zambombas in den Innenhöfen der Häuser getroffen, heute werden sie in Restaurants, Bruderschaften oder auch auf öffentlichen Plätzen veranstaltet. Seit 2015 sind die Zambombas de Jerez sogar offiziell geschütztes Kulturgut!

Falls ihr zur Weihnachtszeit in Jerez seid und einmal eine Zambomba live miterleben möchtet, dann schaut auf die Webseite des Rathauses. Dort findet ihr gesammelt alle Zambombas der Saison.

Villancicos: Alles außer andächtig

Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtslieder! In einer Region, in der Musik eine wichtige kulturelle und soziale Rolle spielt, dürfen weihnachtliche Klänge natürlich nicht fehlen. Während in weiten Teilen Mitteleuropas die Lieder rund um Heiligabend eher darauf ausgerichtet sind, eine besinnliche und ruhige Atmosphäre zu erzeugen, gilt im Süden Spaniens die Devise: Fröhlich und bewegt soll es sein. Meist handeln die sogenannten “Villancicos” von der Geburt Jesu Christi. – und da das für die Christen ja ein freudiges Ereignis ist, wird zu den Weihnachtslieder ab und an auch mal ausgelassen Flamenco getanzt.

So zum Beispiel hört sich Weihnachten in Andalusien an:

 

Geschenke? Bitte warten…

Der 24. Dezember ist in Andalusien der Tag, an dem sich die Familie zum Abendessen trifft. Auf den Tisch kommen üblicherweise Meeresfrüchte, spanischer Schinken, aber auch andere Fleisch- und Fischgerichte. Dazu wird meist mit Cava, einem spanischen Sekt, angestoßen. Den Abschluss bildet eine Nachspeise namens „Turrón“, eine Leckerei aus Mandeln, Honig, Zucker und Ei, oder auch Süßigkeiten aus Medina Sidonia, allen voran der berühmte „Alfajor“.

Falls ihr euch zu Weihnachten vor allem auf das Austauschen der Geschenke freut, dann müssen wir euch jetzt enttäuschen 🙂 Die große Bescherung bleibt an dem Abend nämlich aus! Denn in Spanien bringt nicht das Christkind die Geschenke, sondern die “Reyes Magos”, die Heiligen Drei Könige.

Der Höhepunkt dieser Zeit ist daher der Vortag des Dreikönigstages. Am 5. Januar ziehen Caspar, Melchior und Balthasar bei der sogenannten „cabalgata de los Reyes“ (Umzug der Könige) durch die Straßen der Städte und verteilen dabei Süßigkeiten. Hier ein Video vom Umzug in Jerez von 2017. Wie ihr sehen könnt, ein richtiges Spektakel!

 

 

Am Dreikönigstag, dem 06. Januar, bekommen die Kleinsten dann endlich die Geschenke. Soweit die Theorie – in der Praxis findet die Bescherung in manchen Familien vorgezogen bereits am 25. Dezember statt, damit sich die Kinder in den Weihnachtsferien an den Spielsachen erfreuen können.

Keine Weihnachten ohne den Dicken

Weihnachten wäre nicht Weihnachten ohne “den Dicken”. Am 22. Dezember jeden Jahres sitzt Spanien gespannt vor den Bildschirmen und verfolgt ein Spektakel, das seit 1812 Tradition hat: Die Ziehung der Weihnachtslotterie. Nach aktuellem Stand ist die spanische Weihnachtslotterie gemessen an der Spielsumme die größte der Welt: 2017 lag der Hauptpreis, “El Gordo” (der Dicke) bei 720 Millionen Euro. Um den Preis alleine abzusahnen, müsste man allerdings theoretisch rund 200 Euro für sein Los bezahlen – in der spanischen Lotterie gibt es nämlich für jede Losnummer 10 Tickets. Diese können bereits ab Juli erworben werden, jedoch nur an den öffentlichen Verkaufsstellen, den sogenannten Loterías y Apuestas del Estado. Für die meisten Menschen hier gilt die Ziehung als der Start der Weihnachtszeit.

Neujahr

In Spanien wird das neue Jahr mit einer lustigen Tradition willkommen geheißen: Während der 12 Glockenschläge zu Mitternacht muss mit jedem Schlag eine Weintraube gegessen werden – pro Weintraube hat man allerdings nur etwa 3 Sekunden Zeit! Gelingt es, dann steht einem guten neuen Jahr nichts mehr im Wege. Wer aber ganz sicher gehen will, der sollte zum Jahreswechsel neue, rote Unterwäsche tragen. Die soll nämlich dem Brauch nach im neuen Jahr besonders viel Glück bringen.

Wir wünschen euch eine schöne Weihnachtszeit!

Bis bald!

 

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